Vertrackte Probleme

Mit großem Interesse habe ich den Artikel zu vertrackten Probleme von auf www.agile-verwaltung.de gelesen. Vertrackte Probleme nach einem Artikel von Prof. Dr. Michèle Morner und Manuel Misgeld sind lösungsresistent (zumindest sind keine einfachen Lösungen möglich).

Ich finde den Gedanken, die Definition von einfachen, komplizierten, komplexen und chaotischen Problemen (vgl. hierzu das Cynefin-Framework) um vertrackte Probleme zu erweitern sehr charmant.

In meinem beruflichen Umfeld quält uns gerade eines dieser vertrackten Probleme ziemlich: wie lösen wir das Verkehrsproblem des Ballungsraums München?

Die Münchner Verkehrsinfrastruktur wurde konzeptionell in den 1970ern rund um die olmpischen Spiele konzipiert und realisiert, seit dieser Zeit erfolgten nur noch Ergänzungen. Das bedeutet, der große Erfolg der Boom-Region München ist (auch) die Ernte dessen, was vor rund 50 Jahren gesät wurde.

Und heute? München läuft gefahr, am eigenen Erfolg zu scheitern. Nicht nur auf dem Wohnungsmarkt sind Angebot und Nachfrage aus den Fugen geraten. Auch die Infrastruktur, soziale und technische gleichermaßen, kann mit dem Wachstum kaum schritt halten. Dazu kommt, dass es bislang nicht gelungen ist, das Wachstum von Wirtschaftsleistung und Verkehrsleistung zu entkoppeln.

Die Vorstellungen, was das Problem ist und was die Lösung sein könnte, sind dabei sehr unterschiedlich. Verkehrsplaner und Verkehrsteilnehmer, Politik und Bürger sehen unterschiedliche Facetten. Straßen und Schienen sind verbindende Lebensadern, Lärmquellen und Barrieren gleichermaßen. Offensichtlich also: ein vertracktes Problem! Und für eine Lösung – oder vermutlich ehrlicher viele Komponenten, die zu einer Lösung beitragen – kommen die bisherigen Akteure der Verkehrsinfrastruktur (Kommunal- und Staatsverwaltung, Verkehrsunternehmen wie MVG, Bahn und Flughafen) an ihre Grenzen. Experten alleine und jeder für sich können die Probleme nicht mehr lösen. Aber vielleicht gelingt es, aus der Expertenposition heraus einen Rahmen zu entwickeln, um die Probleme anzugehen. Unterschiedliches Wissen muss einen Beitrag leisten um verschiedene und widersprüchliche Interessen zusammenzubringen und bei der Lösungssuche einbeziehen. Dann kann vielleicht eine Lösung gelingen, die besser ist, als wie es uns heute vorstellen können. Und damit sind wir bei der 3. Alternative von Stephen R. Covey, der einen systematischen Ansatz für scheinbar unlösbaren Probleme entwickelt hat (ISBN-13: 978-3869364285).

Es bleibt spannend…

Warum „evolving engineering“?

Der Beruf der Ingenieure hat eine einzigartige und entscheidende Rolle: wir Ingenieure spielen eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Beziehung zwischen Technologie und Gesellschaft. Unsere Arbeit hat erhebliche Auswirkungen auf viele Aspekte der Menschheit. Wir wollen unsere Welt gestalten – und die Richtung, in die sie sich entwickelt. Wir wollen nachhaltig Werte schaffen und Nutzen stiften.

Technologie birgt das Potenzial, die wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen, die Ziele der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen und die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzugehen. Wir sind stärker vernetzt als je zuvor. Und gleichzeitig sind die Hürden durch fachliche Spezialisierung so hoch wie nie zuvor.

Ingenieur ist Beruf und Berufung – aber Ingenieure müssen neben ihren berufsbildprägenden technischen Fähigkeiten neue Fertigkeiten entwickeln und ihr Verständnis erweitern; sie müssen über ihre Disziplin hinaus lernen und sich vernetzen. Und nicht zuletzt müssen sie mehr Verantwortung übernehmen. Nicht nur als Gestalter der Technik. Sondern auch als Gestalter von Beziehungen zwischen Menschen.
Das tiefe technologische Verständnis von Ingenieuren muss stärker in der Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen genutzt werden. Im Dialog können wir Ingenieure passende Lösungen  entwickeln und so viele Chancen für die Gesellschaft eröffnen.